Extreme Wetterkapriolen haben in den vergangenen Jahren in vielen Gebieten Europas das Leben bestimmt und teils drastisch verändert. Einige südeuropäische Regionen leiden unter unerträglicher Hitze, in Deutschland kämpfen Bauern in einigen Bundesländern mit anhaltender Trockenheit, während zeitgleich nur ein paar hundert Kilometer entfernt Niederschläge auftreten, die mit einem Monsun vergleichbar sind.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von extremen Wetterlagen und gibt eine Unwetterwarnung heraus, wenn innerhalb einer Stunde mehr als 25 oder innerhalb von sechs Stunden mehr als 35 l/m² Niederschlag zu erwarten sind. Der DWD spricht von extremem Unwetter, wenn binnen einer Stunde mehr als 40 oder in sechs Stunden über 60 l/m² fallen. International gilt die Faustregel, dass über 100 Millimeter Niederschlag innerhalb von 24 Stunden als Starkregen bezeichnet werden. Von einem solchen Wetterphänomen gehen erhebliche Gefahren aus, darunter:
- Überschwemmungen mit akuter Gefahr für Menschenleben
- Schäden an Gebäuden und Infrastruktur
- Verlust von Ernten und Vieh
- Erdrutsche
- Zusammenbruch von Verkehr und Kommunikation
- hohes Risiko für forstwirtschaftliche Nutzpflanzen
In einer gemeinsamen Studie des DWD mit der World Weather Attributions Initiative wird davon ausgegangen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Starkregens in der unmittelbaren Zukunft bis zum Faktor neun ansteigen kann.
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Welche Schutzmaßnahmen ergeben Sinn?
Hausbesitzer können sich vor einem Starkregen und seinen Folgen schützen und auf diese Weise die schlimmsten Schäden verhindern oder zumindest reduzieren. Die nachfolgenden Maßnahmen gelten unter Fachleuten als sinnvoll.
Rückstauklappen
Starkregen kann selbst an einem Hanggrundstück zum Problem werden. Gebäude sind nicht nur durch die Niederschläge und durch über die Ufer tretende Bäche und Flüsse bedroht. Eine ebenso große Gefahr bildet die Kanalisation, denn sie kann in der Regel solche Wassermassen nicht aufnehmen. In der Folge drückt das Wasser durch die Kanalisation ins Haus, wo dann aus den Toiletten und allen Abflüssen teils große Mengen Wasser das Haus fluten.

In einigen Regionen sind bereits Rückstauklappen vorgeschrieben, aber nicht überall. Zudem sind sie bei Altbauten eher selten zu finden. Da Rückstauklappen zuverlässig das Zurückfließen von Abwasser aus der Kanalisation ins Haus verhindern, ist es eine sinnvolle Maßnahme, sie zu installieren. Wer bereits über eine Rückstauklappe verfügt, sollte bei einer Unwetterwarnung kontrollieren, ob sie einwandfrei funktioniert.
Problematische Stoffe sichern
Alle Arten von Chemikalien, Benzin, Öl und Geräte, die diese Stoffe enthalten, sollten aus flutgefährdeten Räumen wie dem Keller entfernt und in höher gelegenen Etagen sicher abgestellt werden. Deshalb müssen Heizöltanks so gesichert sein, dass sie nicht aufschwimmen können.
Sollte dies nicht der Fall sein, muss der Tank entweder durch Verzurrungen gesichert oder durch ausreichend Ballast beschwert werden. Obendrein ist es ratsam, alle im Keller gelagerten Geräte wie elektrische Mähroboter oder Gasgrills in höher gelegenen Räumen in Sicherheit zu bringen.
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Strom abschalten
Zumindest in Räumen, die unmittelbar von einer Flutung bedroht sind, sollte der Strom abgestellt werden. Dazu gehört auch die Heizungsanlage. Dringt das Wasser ein, dann ist es wichtig, sofort das gesamte Haus vom Stromnetz zu trennen, indem die Hauptsicherung umgelegt wird. Wasser und Strom vertragen sich schlecht. Ein Kurzschluss bei einer Überschwemmung ist ein mitunter tödliches Risiko.
Haus absichern
Türen, Fenster und Lichtschächte zum Keller können mit Sandsäcken abgesichert werden. Zudem gibt es Anbieter, die Flutbarrieren herstellen. Mit einem solchen Ring kann das gesamte Haus umgeben und so vor eindringendem Wasser geschützt werden.

Wer in Gebieten lebt, die häufiger von Überschwemmungen bedroht sind, sollte über bauliche Maßnahmen nachdenken. Es gibt inzwischen Hersteller von Fluttoren für Privathäuser, die auch nachträglich an Fenstern und Türen angebracht werden können. Sie werden im Fall eines Starkregens aktiviert und schließen dann jeden Zugang ins Haus hermetisch ab.
Alternativen sind Schalbretter und wasserfeste Sperrholzplatten. Mit reichlich Silikon können diese Platten so an allen Fenstern und Außentüren angebracht werden, dass kein Wasser eindringen kann. Möglich sind auch spezielle Schutzwände, die sich innerhalb weniger Minuten vor den Hauszugängen und Fenstern anbringen lassen, wenn die dafür notwendigen Halterungen bereits montiert wurden.
Wichtige Unterlagen und Gepäck für den Notfall bereithalten
Hausbewohner sollten für den schlimmsten Fall vorbereitet sein. Für jede Person im Haushalt sollte eine Tasche mit wenigen Kleidungsstücken und den wichtigsten Dokumenten gepackt werden. Wichtig dabei sind nicht nur die Personaldokumente, sondern auch die Unterlagen zu Haus und Grundstück sowie die Versicherungspolicen. Im Zweifelsfall kann es sinnvoll sein, alle Dokumente bei Verwandten oder Bekannten unterzubringen, die dort leben, wo keine Überschwemmungsgefahr besteht.
Weitere Vorbereitungsmaßnahmen
Wird ein Haus bei einem Starkregen geflutet, dann ist es für die Bewohner vorteilhaft, wenn Sie über einen Campingkocher, ausreichend Taschenlampen und Batterien, ein batteriebetriebenes Radio und einen Erste-Hilfe-Kasten verfügen.
Wurde das Haus geflutet, müssen die Bewohner Geduld bewahren. Ein überschwemmten Raum zu betreten, ist ein absolutes Tabu. Niemand kann sehen, was sich im Wasser befindet, und die Gefahr eines elektrischen Schlags ist immens hoch.
Überflutete Keller und Räume leerpumpen

Auch bei der Beseitigung des eingelaufenen Wassers ist Geduld gefragt. Wer zu früh die Schmutzwasserpumpe anschließt und in Betrieb nimmt, läuft Gefahr, das von außen weiteres Wasser nachläuft. Da es durch die Wände eindringt, wird der Mörtel zwischen den Mauersteinen weggespült, was die Tragfähigkeit der Wände beeinträchtigen kann. Im schlimmsten Fall kann es dazu kommen, dass eine Wand ihre statische Belastung nicht mehr tragen kann, was zum Einsturz der Wand und sogar des gesamten Hauses führen kann.
Bausubstanz nach Überflutung auf Schäden prüfen
Ist die Überschwemmung überstanden und der Starkregen vorbei, dann ist nach dem Leerpumpen der überfluteten Räume eine Bestandsaufnahme durchzuführen. Der Sinn dieser Maßnahme ist es, festzustellen, ob die Räume professionell getrocknet werden müssen oder ob die natürliche Trocknung ausreichend ist.
Außerdem muss in den Räumen, durch deren Wände das Wasser eingedrungen ist, festgestellt werden, inwieweit die Wandstruktur und die Statik beschädigt wurden. Es gibt Fachbetriebe, die Schäden in den Außenwänden zuverlässig ermitteln.
Im Zweifelsfall ist es zudem ratsam, einen Baubiologen hinzuzuziehen, um festzustellen, ob sich Schimmel oder ein Schwamm gebildet hat.
Werden bauliche Schäden, Schimmel oder Schwamm festgestellt, müssen zeitnah Sanierungsarbeiten in Auftrag gegeben werden. Da diese Schäden fast immer auf den Starkregen zurückzuführen sind, steht eine gute Hausversicherung in der Pflicht, diese Maßnahmen zu bezahlen.
