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3. Juni 2022  (aktualisiert am 13. Februar 2026)

Rektifizierung - Alte Fugen nochmal verwenden?

von  textbroker | 7 Min. Lesezeit | #Fliese  #Fuge  #Fliesenflächen  #rektifiziert  #Naturfliesen 

Alte Fugen nochmal verwenden? - So funktionieren das Recyclen und die Rektifizierung.

Fugen zwischen Fliesen sind vielen Belastungen ausgesetzt. Feuchtigkeits- und Temperaturschwankungen sorgen dafür, dass die Fugen Risse bekommen oder brüchig werden. Auch Schimmel ist in Bereichen mit dauerhafter Feuchtigkeit ein häufiges Problem. Mit den richtigen Arbeitsschritten ist es möglich, relativ einfach und kostengünstig die Fugen zu erneuern, ohne die Fliesen zu entfernen.

Wann müssen Fugen erneuert werden?

Badezimmer mit Mosaikboden und Holzwand und freistehender Badewanne
Fliesen erfüllen wichtige Aufgaben. Sie sorgen nicht nur für Ästhetik, sondern hindern auch Feuchtigkeit am Eindringen in Wände und Böden. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Fugen in einem funktionsfähigen Zustand zu halten. Wenn die Fugen hingegen beschädigt sind, können sie ihre Funktionen nicht mehr erfüllen.
Fugen müssen erneuert werden, wenn sich großflächig Schimmel breit gemacht hat. Auch wenn die Fugenmasse rissig, brüchig oder nicht mehr mit dem Fliesen verbunden ist, ist eine Erneuerung erforderlich. Dies gilt unabhängig davon, welche Art von Fugenmasse vorhanden ist. Zu den weit verbreiteten Varianten gehören Fugen aus Silikon und aus Fugenmörtel.

Welche Fugen lassen sich erneuern und welche Besonderheiten gibt es zu beachten?

Bevor mit der Renovierung begonnen wird, ist es wichtig, die Art der Fuge zu identifizieren. Fugen haben oftmals besondere Funktionen, wie etwa in Form einer Dehnungsfuge oder bei Bauwerksfugen. Das verwendete Material lässt sich meist schnell erkennen. Eine Fuge sollte immer mit dem exakt gleichen Material erneuert werden, aber nur, sofern auch in erster Linie das korrekte Fugenmaterial eingesetzt wurde.

Grundsätzlich lassen sich alle Fugen erneuern. Besonders häufig ist die Renovierung bei Bad- und Bodenfliesen notwendig. Zu berücksichtigen ist außerdem die Umgebung, in der sich die Fuge befindet. So sind Fliesen im Wintergarten oftmals Frost ausgesetzt. Die Fugen müssen dann ebenfalls mit einem Material verfugt werden, das für den Außenbereich geeignet ist. Ansonsten wird die neue Fuge kaum einen Winter überstehen. Gleiches gilt für Dehnungsfugen oder Fugen im Nassbereich. Hier drohen sogar Schäden an der Gebäudesubstanz, wenn bei der Renovierung das falsche Fugenmaterial zum Einsatz kommt.

Alte Fugen erneuern ohne die Fliesen zu entfernen

modernes Badezimmer
Der Vorteil bei einer fachmännischen Fugenerneuerung ist, dass die Fliesen nicht entfernt werden müssen. In vielen Fällen sitzen diese noch optimal an der Wand und ein Austausch würde den Arbeitsaufwand sowie die Kosten deutlich erhöhen. Für die Erneuerung der Fuge wird das passende Werkzeug benötigt.
Das richtige Hilfsmittel für Fugen aus Mörtel ist ein Multifunktionswerkzeug, was mit einem Aufsatz zum Fräsen ausgerüstet wird. Diese Multifunktionswerkzeuge erlauben das filigrane Arbeiten an den kleinen Fugen. Auf diese Weise lässt sich das Material vorsichtig und sauber entfernen, ohne dass die Fliesen beschädigt werden.

Der erste Arbeitsschritt ist jedoch die Vorbereitung des Raumes. Möglichst alle Möbel und Gegenstände werden ausgeräumt. Was nicht entfernt werden kann, wird sorgfältig mit Plastikfolie abgedeckt und abgeklebt, in Badezimmern beispielsweise die Keramik. So wird die empfindliche Einrichtung vor Staub und Beschädigungen geschützt. Auch Schrauben und Dübel, die sich in Fugen befinden, müssen vor Beginn der Arbeiten entfernt werden. Dann kann das eigentliche Entfernen der alten Fugen beginnen. Mit dem Multifunktionswerkzeug und dem Aufsatz zum Fräsen lassen sich die Fugen vorsichtig und präzise entfernen. Beim Arbeiten ist aufgrund der enormen Staubentwicklung ein Mund- und Nasenschutz unbedingt erforderlich. Beim Fräsen der Fliesen wird von oben nach unten gearbeitet. Dies verhindert, dass der Staub sich in bereits geöffneten Fugen festsetzt.

Badezimmer mit grauer Wand und Musterwand und Retroeinrichtung
Abschließend wird mit einem Cuttermesser oder mit Hammer und Meißel nachgearbeitet. Auf diese Weise lassen sich die letzten Reste des alten Mörtels, der noch in den Fugen ist, entfernen. Der Großteil des Staubs lässt sich mit einem Staubsauger aufnehmen. Dabei ist es wichtig, alle Fugen einzeln abzusaugen und so vom Staub zu reinigen.
Mit einem feuchten Tuch werden dann nochmals alle Bereiche gründlich gereinigt. Vor dem Auftragen des neuen Fliesenmörtels muss der gesamte Bereich vollständig staubfrei sein. Nur so ist gewährleistet, dass der neue Fugenmörtel optimal haftet. So vorbereitet, lassen sich die Fliesen neu verfugen, wobei ganz normal nach den Anweisungen des Herstellers des Fugenmörtels vorgegangen wird.

Bei Silikonfugen hingegen sind ein Cutter- oder Fugenmesser sowie alternativ ein flüssiger Silikonentferner die richtigen Hilfsmittel. Mit einem kleinen Japanspachtel lassen sich dann gegebenenfalls die letzten Reste entfernen. Die Fläche um die Fugen muss gut gereinigt werden, um die Haftung des neuen Fugenmaterials zu gewährleisten. Hierfür gibt es spezielle Primer, die auf die staub- und fettfreien Bereiche aufgetragen werden. Anschließend kann die Fuge mit dem passenden Silikon neu verfügt werden. Ab hier folgen die normalen Arbeitsschritte bei der Verarbeitung von Silikonfugen.

Einzelne Fliesen erneuern – wann ist dies sinnvoll?

Das Ersetzen einzelner Fliesen ist beispielsweise sinnvoll, wenn die Fliese gebrochen ist. Gerade in Feuchträumen entstehen so Bereiche, in denen Nässe in die Gebäudestrukturen eindringen und so Beschädigungen hervorrufen kann. Eine Fliese sollte auch dann getauscht werden, wenn sie beim Abklopfen ein hohles Geräusch verursacht. Dies ist ein Zeichen dafür, dass entweder zu wenig Fliesenkleber aufgetragen wurde oder sich die Fliese zumindest teilweise vom Untergrund gelöst hat, der Kleber also nicht mehr hält.
Auch beim Austausch einer Fliese wird zunächst der Fugenmörtel wie zuvor beschrieben entfernt. Dabei ist es wichtig, die Fliese von allen Seiten freizulegen. Danach kann mit der Entfernung der Fliese begonnen werden. Hierfür gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Eine Option ist es, die Fliese mit einer Tauchsäge mittig zweimal zu zerteilen.
Die Tauchtiefe sollte die Stärke der Fliese plus ein Millimeter betragen. Diese Variante ist bei dicken Fliesen und Feinsteinzeug zu bevorzugen. Mit einem Hammer und Meißel lässt sich die Fliese dann in der Regel problemlos entfernen. Bei dünneren Fliesen ist es oft nicht notwendig, mit einer Tauchsäge vorzuarbeiten. Hier kann direkt mit Hammer und Meißel gearbeitet werden.

Vorteile und Nachteile von rektifizierten Fliesen

Auf dem Markt gibt es die Wahl zwischen rektifizierten und nicht rektifizierten Fliesen. Nicht rektifizierte Fliesen werden häufig auch als Naturfliesen angeboten, während rektifizierte Fliesen auch als kalibriert bezeichnet werden. Bei den Naturfliesen sind die Kanten nicht nachgearbeitet, während bei den rektifizierten Fliesen ein exakter 90 Grad Winkel nach dem Brennvorgang eingearbeitet wurde. Der Unterschied bei diesen Optionen zeigt sich beim Verlegen. Bei kalibrierten Fliesen kann mit extrem dünner Fuge gearbeitet werden. Dies ist besonders im modernen Innendesign wünschenswert. Gleichzeitig sind Fliesenflächen mit dünner Fuge deutlich einfacher zu reinigen. Mit nicht rektifizierten Fliesen und breiten Fugen entsteht hingegen ein traditioneller Anblick, die ebenfalls vielfach geschätzt wird. Es handelt sich also primär um eine Frage der Optik.

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