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19. Oktober 2021  (aktualisiert am 11. Juli 2025)

Hochwasserschutz: Bauliche Maßnahmen gegen Überschwemmungen beim Kellerbau

von  textbroker | 6 Min. Lesezeit | #Hochwasser  #Atmosphäre  #Wasserdampf  #Temperatur  #Keller 

Im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts liegt die Jahresdurchschnittstemperatur in Deutschland um 1,6 °C höher. In der Folge ist die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Wasserdampf um 11,5 % gestiegen. Obendrein erwärmt sich die Atmosphäre in den hohen nördlichen Breiten um einiges schneller, als es in den mittleren Breiten der Fall ist. Resultat ist, dass die Temperaturdifferenz zwischen beiden Regionen schrumpft.

Aus diesen Gründen sinken die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten im Jetstream. Die größeren und regenreicheren Wolken ziehen deutlich langsamer über Deutschland hinweg und verharren zeitweise sogar lokal, was sich in einer Blockade der Wetterlage äußert.

Deshalb fällt deutlich mehr Regen, was ein Blick auf die Pegelstände bestätigt. Die konnten beim Hochwasser 2021 nicht überall genau abgelesen werden, weil die Pegel an vielen Orten von den Wassermassen weggerissen wurden. In Müsch an der Ahr wurde aber die Abflussmenge mit erstaunlichen 320 m3/s gemessen, ein Rekord gegenüber der Höchstmenge von 2016 mit lediglich 132 m3/s. Bei Altenahr waren es bis 700 m3/s, wobei hier der Rekordwert bis dahin bei 236 m3/s verifiziert wurde. Dort lag zuvor der höchste Pegelstand bei 3,71 m. In der Spitze waren es 2021 rund 8m.

Von 1978 bis 2002 wurden in Deutschland mehr als doppelt so viele extreme Hochwasser registriert wie im Vergleichszeitraum von 1952 bis 1977. Die Tendenz ist steigend, wobei bislang noch keine exakten Zahlen neueren Datums vorliegen. Deutlich ist aber, dass in Deutschland extreme Hochwasserereignisse in den vergangenen Jahrzehnten erheblich häufiger registriert wurden und diese auch messbar teils um ein Mehrfaches stärker ausgefallen sind, als es in den vorangegangenen Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten der Fall war.

Moderne Bauweise von Kellern in Überschwemmungsgebieten

Wer in einem Risikogebiet für Überschwemmungen bauen will, der hat im Prinzip drei Wege offen. Er kann einer Überschwemmung:

  • ausweichen,
  • widerstehen,
  • oder diese in Kauf nehmen.

Jeder Weg zieht eigene, besondere bauliche Maßnahmen nach sich, die bei der Bauausführung zu beachten sind. Diese Wege können je nach Machbarkeit bei bereits errichteten Bauwerken auch nachträglich begangen werden. Allerdings besteht bei allen baulichen Überschwemmungsabsicherungen weiterhin immer die Möglichkeit, dass die Räume und insbesondere die Keller bei einer extremen Flutkatastrophe trotzdem volllaufen.

Der Überschwemmung ausweichen

Die einfachste Art einer Überschwemmung auszuweichen, ist nicht in einem Risikogebiet zu bauen. Doch dies lässt sich nicht immer vermeiden. Zudem wird die Fläche dieser Risikogebiete durch die gestiegenen Niederschlagsmengen jährlich größer – und vor einer Überschwemmung durch Starkregen ist kein Gebäude in Deutschland mehr sicher.

Die simpelste bauliche Möglichkeit ist der Verzicht auf eine Unterkellerung, wobei dann alle Installationsräume für Heizung, Wasser und Strom überirdisch untergebracht sind. Eine Alternative ist es, den Keller nur auf halber Höhe unterirdisch anzulegen. In der Folge ragt das Kellergeschoss deutlich aus dem Boden hervor, wodurch das Erdgeschoß bis zu 2 m Höhe gewinnen kann. Die dritte Möglichkeit ist ein Pfahlbau. Dabei wird das Gebäude quasi auf Stelzen gestellt. Dies hat den Vorteil der Höhe und das Flutwasser kann ungehindert unter dem Gebäude durchfließen. Nachteil ist aber, dass ein erheblich höherer Aufwand bei der Wärmedämmung betrieben werden muss, denn die Wärmeverluste über die Bodenplatte des Hauses können beachtliche Ausmaße annehmen.

Den Wassermassen widerstehen

Ein Tiefgeschoss kann wasserdicht als weiße oder schwarze Wanne konzipiert werden. Zur Entlastung ist eine sehr leistungsstarke Drainage mit entsprechend groß dimensionierter Drainagepumpe ratsam. Allerdings ist es die Regel, dass bei extremen Überschwemmungen im betroffen Gebiet der Strom abgeschaltet werden muss, wodurch die Pumpe funktionslos wird.

Ratsam ist es, auf Mauerwerk für die Außenwände des Kellers zu verzichten. Ein wasserdichter Beton bringt deutlich mehr Vorteile und Sicherheit. Bei Altbauten kann der Kellerfußboden nachträglich auf verschiedene Weisen abgedichtet werden. Dies gilt teils auch für die Wände, wobei hier bei Mauerwerk gerne die Injektionsdämmung genutzt wird.

Platte wird über Baustelle mit Kran heruntergelassen

Zudem sollten ausschließlich wasserdichte Fenster montiert werden. Diese bleiben für mindestens 24 Stunden absolut wasserundurchlässig. Allerdings können diese Fenster nur dort eingebaut werden, wo auf eine Belüftung verzichtet werden kann, denn diese Fenster lassen sich nicht öffnen. Muss über die Fenster belüftet werden, stehen hochwasserbeständige Fenstermodelle zur Auswahl. Diese können geöffnet werden, lassen allerdings kleinste Mengen Wasser eindringen. Außerdem sollte bei derartigen Gebäuden soweit möglich auf die Außentreppe mit Kellerzugang verzichtet werden oder es ist eine verstärkte, flutsichere Kellertür einzubauen.

Ebenso wichtig ist der Einbau von Rückschlagklappen in die Kanalisation, damit bei einem flutbedingten Rückstau der Keller nicht über das Abwassersystem vollläuft. Diese Maßnahme ist vor allem bei älteren Gebäuden ratsam, denn dort fehlen diese Rückschlagklappen fast immer.

Wichtig ist, dass bauliche Maßnahmen gegen Unterspülung getroffen werden. In einigen Fällen sind obendrein geeignete Maßnahmen gegen Auftrieb zu treffen, damit das Gebäude nicht schlicht weggeschwemmt wird. Und es besteht die Möglichkeit, Flutsperren außerhalb des Gebäudes anzulegen.

Dazu gehören auch moderne Flutsicherungssysteme. Diese bestehen in der Regel aus aufblasbaren oder mit Wasser zu füllenden Schläuchen und Kissen, die quasi als autarker Damm bei einer Überschwemmung das gesamte Haus umgeben und vor dem Wasser schützen. Allerdings hat sich bei Überschwemmungen, die länger als drei Tage andauern, gezeigt, dass dann das Wasser von unten in diesen Schutzring eindringen kann.

Eine Überschwemmung des Kellers in Kauf nehmen

Wer diesen Weg einschlagen will, was sich bei älteren Bauten manchmal nicht vermeiden lässt, der sollte die Installationsräume für Heizung und Strom in überirdische Etagen verlegen. Sichergestellt werden muss, dass das eindringende Wasser den Zementmörtel zwischen den Mauersteinen nicht auflöst oder wegschwemmt. Auch der bei Altbauten häufig verwendete Klinkerboden muss entsprechend gesichert werden, um ein Einbrechen und Unterspülungen zu verhindern. In beiden Fällen kann eine Injektionsdämmung der richtige Weg sein.

Heizungskeller mit Vorrichtungen

Wer die Überflutung der Kellerräume in Kauf nimmt, der sollte zumindest das Abpumpen des Wassers möglichst vereinfachen. Ein Pumpenschacht mit einer leistungsstarken Schmutzwasserpumpe ist eine gute Empfehlung. Dabei ist zu beachten, dass die Pumpe in der Lage sein muss, die vollgelaufenen Kellerräume binnen 2 Stunden trocken zu legen. Diese Pumpe darf sich nicht über einen Schwimmerschalter automatisch aktivieren.

Grundregel bei Kellerüberflutung ist: Die Pumpe darf erst dann eingeschaltet werden, wenn kein neues Wasser mehr nachläuft. Ansonsten besteht die Gefahr, dass das gesamte Mauerwerk durchspült wird und zusammenbricht.

Eine weitere bauliche Maßnahme zum Überschwemmungsschutz betrifft die elektrische Anlage in den Kellerräumen. Alle Stromleitungen im Untergeschoß müssen sich durch separate Sicherungen stromlos schalten lassen. Ratsam ist es, Schalter, Steckdosen und Verteiler in einer möglichst hohen Position an den Wänden zu installieren.

Fazit

Überschwemmungen waren vor 25 Jahren nur ein Thema bei den Anwohnern der großen deutschen Flüsse und teilweise entlang der Nordseeküste. Durch die veränderte Wettersituation ist derzeit nahezu jedes Gebäude von Überschwemmungen bedroht, sei es durch Hochwasser von Flüssen und sogar Bächen, durch Sturmfluten an den Küsten, durch Starkregen, Hangwasser, Grundwasser oder Rückstau in der Kanalisation. Werden rechtzeitig geeignete bauliche Maßnahmen getroffen, können die größten Schäden zumeist verhindert werden.

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