Große Fliesen verlegen: Eine große Herausforderung
Große Fliesen an der Wand und am Boden liegen im Trend. Waren Fliesen früher auf Formate von 30 x 30 beziehungsweise 30 x 60 Zentimeter beschränkt, ist es mittlerweile möglich, Fliesen in Größen von bis zu 1,20 x 1,20 Meter beziehungsweise 1,0 x 3,0 Meter hergestellt. Deren Verlegung braucht aber Einiges an Know-how.

Bei den keramischen Großformaten unterscheidet man zwischen großformatigen, trocken gepressten Fliesen, die anschließend in einem Rollenbrandofen gesintert werden, und dünnschichtigen, großformatigen Keramikelementen mit geringer Dicke von circa vier bis fünf Millimetern, die in einem Elektrobrandofen hergestellt werden. Diese verfügen über sogenannte Sandwichkonstruktionen, bei denen die Keramikelemente auf der Rückseite mit einem Gewebe, das mit Kunstharz beschichtet wurde, versehen werden. Dadurch erhalten die Fliesen eine höhere Stabilität und können deutlich höhere Lasten tragen, ohne zu brechen.
Große Fliesen heißt große Toleranzen
Verlegt man kleinere Fliesen, gibt die DIN 18202 Tabelle 3 die Ebenheitstoleranzen vor. Die hier beschriebenen Vorgaben reichen für Großformate aber bei weitem nicht aus. Wichtig ist: Der Untergrund muss glatt sein, sehr glatt, wenn man große Fliesen verlegen will!
Im Bodenbereich ist daher der Einsatz von hochwertigen selbstverlaufenden Spachtelmassen unabdingbar, an der Wand hilft etwa der Einsatz von Ausgleichsspachteln oder Dünnlagenputzen, die über Schienensysteme abgezogen werden. Wenn Sie großformatige Fliesen verlegen, berücksichtigen Sie die Mehrkosten, die der erhöhte Aufwand mit sich bringt, am besten schon vorab bei der Kalkulation. Großformat-Fliesen verlegen erfordert Können und Wissen, so werden sie immer im sogenannten Buttering-Floating-Verfahren verlegt.
Dabei wird der Dünnbettmörtel sowohl auf den Untergrund als auch auf die Rückseite der Fliese aufgetragen und durchgekämmt. Kleinere Unebenheiten kann man so gut ausgleichen, und große Fliesen können hohlraumfrei verlegt werden.
Die DIN EN 14411 – keramische Fliesen und Platten – erlaubt Toleranzen, die selbst bei ihrer strikten Einhaltung keine mängelfreie Verlegung ermöglichen: Eine 1,20 x 1,20 Meter großen Fliese darf bei einer erlaubten Abweichung von 0,5 % eine Mittelpunktwölbung von 8,5 Millimetern von der Ecke bis zum Mittelpunkt der Fliese aufweisen, ohne mangelhaft zu sein. Bildet der Mittelpunkt nach dem Verlegen keinen festen Verbund mit dem Untergrund, reicht unter Umständen ein fallendes Glas, und der schöne neue Boden ist hinüber.
Die Höhendifferenz muss also beim Verlegen ausgeglichen werden, bevor der Verbund zum Untergrund hergestellt wird. Die DIN EN 14411 erlaubt außerdem, dass eine Fliese auch bezüglich ihrer Rechtwinkligkeit noch bei einer Abweichung von 0,5 Prozent normgerecht ist. Dies bedeutet bei einer 1,20 Meter großen Fliese eine Abweichung von sechs Millimetern! Die kann bei einer gewünschten Fugenbreite von ein bis zwei Millimetern nicht mehr vom Fugenmaterial ausgeglichen werden.
Tipps für die Praxis
Zahnungen beim Verlegen großer Fliesen parallel auftragen
Um einen optimalen Mörtelauftrag sicherzustellen, mit dem die 8,5 mm Wölbung ausgeglichen werden kann, sollten Sie in von der Mitte der konvex verformten Keramikfliese ausgehend mit einer größeren Zahnung beginnen, während Sie an den Randbereichen eine kleinere Zahnung verwenden. In diesem Fall sollte die Zahnung auf der Plattenrückseite und auf dem Boden nicht um 90 Grad versetzt sein, sondern einfach in eine Richtung verlaufen. So stellen Sie sicher, dass eingeschlossene Luft entweichen kann. Bei großen Platten ist der mögliche Anpressdruck nämlich deutlich geringer als bei Kleinformaten.
Tragehilfen verwenden
Die großen Platten müssen sehr exakt verlegt werden. Saugnäpfe helfen, sie passgenau zu positionieren. Ein wichtiger Tipp, wenn man großformatige Fliesen verlegen will.
Untergrund vorbehandeln
Stark saugende Untergründe müssen vorgestrichen werden. Alternativ können hochwertige Dünnbettmörtel mit besonders langer Einlegezeit zum Einsatz kommen. Weil die Mörtelmengen bei großen Fliesen wesentlich höher sind, schlägt das bei den Materialkosten erheblich zu Buche!
Achtung – ebenfalls wichtig, wenn man große Fliesen verlegen will: Bei dünnschichtigen rektifizierten Keramikelementen, die rückseitig ein resiniertes Glasgewebe aufweisen, müssen Spezialklebemörtel verwendet werden!
Der richtige Fliesenkleber
Großformatige Fliesen und Platten sowie Keramikelemente sind nahezu wasserdampfdiffusionsdicht. Außerdem kann die Feuchte aus den großen Mörtelmengen sowie aus etwaig verwendeten Spezialklebemörteln kaum noch abtrocknen. Das kann auf Dauer zum Versagen des Haftverbunds und der gesamten Konstruktion führen.
Verwenden Sie also schnell erhärtende und gleichzeitig schnell trocknende Dünnbettmörtel auf der Basis von Aluminatzement und Calciumsulfat – sogenannte Ettringitbildner oder Naturstein- oder Großformatkleber. Sie können das Anmachwasser nahezu vollständig binden und sind eine wichtige Voraussetzung, wenn man große Fliesen verlegen will.
Wie geht’s auf Trockenestrich?
Die Verlegung von keramischen Großformaten auf Trockenestrichen scheiterte bislang an der nicht auszuschließenden Gefahr von Rissbildungen. Für viele handelsübliche Trockenestriche gibt es daher oft eine Beschränkung der Fliesengröße. Dies ist jedoch nicht nötig. Vielmehr können mit dem richtigen Kleber problemlos großformatige Fliesen auf Trockenestrich verlegt werden.
Allerdings setzt dies hohe Anforderungen an die Verarbeitung und die Qualität des Untergrunds voraus. So gibt es von verschiedenen Herstellern (z. B. Fermacell) entwickelte Lösungsansätze für den Anwendungsbereich 1 (Räume und Flure in Wohngebäuden, Hotelzimmern einschließlich zugehöriger Küchen und Bäder; zul. Einzellast 1,0 kN; zul. Nutzlast 1,5 (2,0) kN/ m²) und den Anwendungsbereich 2 (Flure in Bürogebäuden, Büroflächen, Arztpraxen etc.; zul. Einzellast 2,0 kN; zul. Nutzlast 2,0 kN/m²), die eine sichere Verlegung auf Estrichelementen gewährleisten.
Im Anwendungsbereich 1 gibt es bei diesem Bodenaufbau in Bezug auf das Format keinerlei Einschränkungen für die Wahl der Fliesen. Auch die Verarbeitung von langen und schmalen Formaten ist möglich. Berücksichtigt werden muss lediglich eine Mindestdicke von 9 mm. Im Anwendungsbereich 2 ist die Kantenlänge auf maximal 1.200 mm begrenzt.
Ebenfalls möglich ist die Verlegung von großformatigen Natursteinfliesen. Bei einer Dicke von >15 mm ist hier die Kantenlänge in den Anwendungsbereichen 1 und 2 auf maximal 800 mm begrenzt. Bei einer Dicke von >20 mm sind in beiden Anwendungsbereichen Kantenlängen von bis zu 1.200 mm möglich.
Voraussetzungen für große Fliesen auf Trockenestrich Die 5 wichtigsten Voraussetzungen, um auf Trockenestrich Fliesen mit 30 × 60 oder 60 × 60 cm zu verkleben, sind:
1. Der Untergrund
Ein vollflächiges Aufliegen der Trockenestrichelemente muss sichergestellt sein. Die Rohdecke muss über eine ausreichende Biegesteifigkeit verfügen. Holzdecken dürfen eine Durchbiegung der Deckenbalken und der oberen, tragenden Beplankung von maximal L/500 aufweisen. Für den Niveauausgleich sind ausschließlich gebundene Schüttungen einzusetzen. Kleinere Unebenheiten von bis zu 20 mm können mit einer Nivelliermasse ausgeglichen werden.
2. Die Estrichelemente
Geeignet sind Estrichelemente ohne Dämmstoff und Estrichelemente inklusive einer 10 mm dicken Holzfaserdämmplatte sowie die zementgebundenen Bodenelemente. Die zur Erhöhung der Steifigkeit notwendige dritte Lage aus 10 mm dicken Gipsfaserplatten oder Zementplatten in 12,5 mm Dicke wird auf den Trockenestrichelementen verklebt und verschraubt oder verklammert.
3. Die Grundierung
Die Elemente erhalten eine Reaktionsharzgrundierung, die verhindert, dass überschüssiges Anmachwasser aus dem Kleber der Fliesen auf den Trockenestrich gelangt und dort eindringt.
4. Der Fliesenkleber
Aufgrund der Verformungsneigung sollten nur S2-Kleber zum Einsatz kommen. Die weisen neben der Haftzugfähigkeit auch eine hohe Flexibilität auf. Die Verfugung erfolgt abschließend mit einem flexiblen Fugenmörtel, der ergänzend zum hochflexiblen Fliesenkleber für eine zusätzliche Spannungsreduktion bei den Fliesen auf dem Trockenestrich sorgt.
5. Die Verlegung
Die Verlegung erfolgt im kombinierten Verfahren. In Bezug auf die Anordnung der Fliesen bestehen keine Einschränkungen. Wichtig für eine dauerhaft mangelfreie Fußbodenkonstruktion ist die Anordnung von Dehnungsfugen. Bei unbeheizten Konstruktionen empfehlen die Hersteller der Trockenestrichelemente maximal 64 m² große Felder mit maximalen Kantenlängen von 8 m. In diesem Verfahren und mit diesen Materialien lassen auch auf Trockenestrich Fliesen in Größen bis zu 60 × 60 cm sicher verlegen.