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24. Juni 2026  (aktualisiert am 24. Juni 2026)

Baulärm: Mehr als ein Risiko fürs Gehör?

von  hagebau Redaktion | 6 Min. Lesezeit | #Baulärm  #Gehörschutz  #Lärmschutz  #Baustelle  #Arbeitsschutz 
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Wo gehobelt wird, fallen Späne, sagt schon ein bekanntes Sprichwort. Lärm auf Baustellen fällt definitiv in diese Kategorie und wird oftmals als gegeben hingenommen. Dabei hat Baulärm eine Reihe von negativen Auswirkungen, die teilweise sogar versteckt und unerkannt sind. Aus diesem Grund sollten Handwerker und Bauunternehmen Lärm nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich mit dem Thema beschäftigen.

Was ist die Definition von Lärm, und welche Stufen gibt es bei der Lärmbelastung?

Handwerker sägt Holz mit einer Kreissäge
Baulärm ist nicht gleich Baulärm. Auf Baustellen und in Werkstätten gibt es zahlreiche unterschiedliche Geräusch- und Lärmquellen mit spezifischen Eigenschaften und Intensitäten. Zunächst ist der Schalldruck relevant. Er ist messbar und wird gerne mit der Lautstärke einer Geräuschquelle gleichgesetzt, was jedoch nicht ganz korrekt ist. Der Schalldruck wird in Dezibel (dB) gemessen und ist die Änderung des Luftdrucks durch eine Schallwelle, die von einer Quelle ausgeht. Auch die Frequenz, die in Hertz (Hz) angegeben wird, bestimmt die Eigenschaften einer Lärmquelle. Die Frequenz gibt die Anzahl der Schwingungen pro Minute an.

Dann lassen sich unterschiedliche Arten von Lärm definieren, wobei die akustischen Eigenschaften der Geräuschquelle relevant sind. Tieffrequenter Lärm geht beispielsweise meist von großen Baumaschinen aus.
LärmartFrequenzbereichTypische QuellenWahrnehmung
Tieffrequenter Lärmunter 100 Hzgroße Baumaschinentiefes Brummen
Hochfrequenter Baulärmüber 8 kHzKreissägen, Pressluftwerkzeuge, Schleifmaschinenkreischende, hohe Töne

Das Bundesumweltministerium teilt Lärm in verschiedene Kategorien ein. Grundsätzlich spricht das Ministerium immer dann von Lärm, wenn die Geräusche wahrnehmbar und störend sind.

SchalldruckEinordnung
ab 25 dBwahrnehmbar und störend, kann Konzentration und Schlaf beeinträchtigen
über 65 dBGesundheitsrisiko
über 80 dBGehörschutz muss bereitgestellt werden
über 85 dBGehörschutz ist Pflicht, potenzielle Gehörschäden möglich

Die allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm legt zudem Immissionsrichtwerte fest. Diese stufen spezifisch den Baulärm ein und machen hinsichtlich der Umgebung Unterschiede, in der sich die Baustelle befindet.

UmgebungTag, 7–20 UhrNacht
Reines Wohngebiet50 dB35 dB
Gewerbe-/Industriegebiet70 dBbis 50 dB

Überschreitet der Baulärm den jeweiligen Immissionsrichtwert, dann müssen die zuständigen Unternehmen laut Vorschrift Maßnahmen zur Minderung des Baulärms einleiten.

Welche Auswirkungen hat Baulärm auf Menschen?

Handwerker arbeitet an einer Wand mit einem Bohrhammer
Lärm hat zahlreiche negative Effekte, die oftmals unterschätzt werden. Das liegt vor allem daran, dass die Auswirkungen in der Regel nicht direkt sichtbar sind, sondern zeitverzögert eintreten. Das beste Beispiel sind Hörschäden. Schwerhörigkeit, die durch Lärm am Arbeitsplatz ausgelöst wird, ist inzwischen eine anerkannte Berufskrankheit.

Mittlerweile stehen rund 20.000 Verdachtsfälle von Hörschäden pro Jahr im Zusammenhang mit Lärmbelastung am Arbeitsplatz. Deutlich häufiger und auch früher zeigen sich Hörschäden wie ein Tinnitus. Viele akzeptieren oder ignorieren einen Tinnitus, obwohl er häufig durch eine permanente Lärmbelastung auf der Arbeit ausgelöst wird.
Es gibt noch eine Reihe von gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die häufig nicht sofort mit Lärm am Arbeitsplatz in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören Bluthochdruck, ein veränderter Puls, Durchblutungsstörungen und eine erhöhte Ausschüttung von Adrenalin. Sogar das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt durch eine konstante Lärmbelastung. In diesem Zusammenhang wird von Lärmstress gesprochen. Bereits eine Exposition gegenüber einer vergleichsweise geringen Lärmquelle mit 25 dB kann zu Konzentrationsproblemen führen oder Schlafstörungen auslösen. Somit sind nicht nur besonders laute Lärmquellen gefährlich für die Gesundheit. Auch die konstante Beschallung mit geringerer Intensität hat negative Auswirkungen.

Welche Maßnahmen sind wichtig beim Schutz gegen Lärm?

Beim Lärmschutz auf Baustellen kommt in erster Linie die persönliche Schutzausrüstung wie ein Gehörschutz in den Sinn. Tatsächlich sollte der Schutz vor Lärm auf einem systematischen Vorgehen basieren, das zunächst an anderen Punkten ansetzt. Die Berufsgenossenschaft Bau rät hier zum TOP-Prinzip. Die Abkürzung TOP steht für „technisch, organisatorisch und persönlich“. Dies beschreibt die Reihenfolge an Maßnahmen, die beim Lärmschutz zur Anwendung kommen sollen.
StufeMaßnahmeZielBeispiel
TTechnischLärm direkt an der Quelle reduzierengeräuschärmere Maschinen
OOrganisatorischLärmexposition verringernMaschinen räumlich trennen oder isolieren
PPersönlichMitarbeitende individuell schützenGehörschutz, Otoplastiken

Die ersten Maßnahmen sollten also immer technischer Natur sein. Es ist darauf zu achten, dass Lärm durch Maschinen und Werkzeuge direkt bei der Entstehung minimiert wird. Dies lässt sich zum Beispiel durch den Einsatz von geräuschärmeren Modellen erzielen. So ist ein Fokus auf leisere Maschinen bei der Beschaffung ein wirksames Mittel, um die Lärmbelastung auf Baustellen und in Werkstätten zu senken.

Arbeiter mit Schutzhelm und Stöpsel-Gehörschutz im Ohr
Im zweiten Schritt sind organisatorische Maßnahmen angebracht. Dabei geht es primär darum, die Exposition von Personen gegenüber Lärm auf ein Minimum zu reduzieren. Das lässt sich erreichen, indem die Arbeit so organisiert wird, dass sich möglichst wenig Mitarbeitende und andere Personen in unmittelbarer Nähe zu den Lärmquellen aufhalten. Eine naheliegende Option ist es, Maschinen so zu positionieren oder zu isolieren, dass nur die Mitarbeitenden in der Nähe sind, die daran arbeiten.

Als weitere Option stehen persönliche Schutzmaßnahmen zur Verfügung. Dies ist in erster Linie der Einsatz von Gehörschutz. Pegelabhängiger Gehörschutz und individuell gefertigte Otoplastiken bieten den besten Schutz.
  • Ab 80 dB sind Unternehmen verpflichtet, den Mitarbeitenden einen geeigneten Gehörschutz bereitzustellen
  • Ab 85 dB ist das Tragen von Gehörschutz Pflicht.

Was müssen Unternehmen noch zum Thema Baulärm wissen und beachten?

Unternehmen stehen in der Verantwortung, die eigenen Mitarbeitenden, Mitmenschen und die Umgebung sowie die Umwelt vor unnötigen Lärmbelästigungen zu schützen. Das gilt für kleine Handwerksbetriebe ebenso wie für große Bauunternehmen mit Hunderten von Mitarbeitenden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Lärm nicht nur die eigenen Mitarbeitenden betrifft, sondern auch Anlieger und Tiere. Deshalb sollten Unternehmen Maßnahmen immer mit dem Fokus auf das Gesamtbild treffen.

Für Betriebe und Handwerksunternehmen sind die Arbeitsschutzprämien der Berufsgenossenschaft interessant. Die BG Bau unterstützt die Anschaffung von individuellem Gehörschutz wie Otoplastiken mit Prämien von bis zu 50 Prozent der Kosten. Auch die Beschaffung von vibrationsarmen Maschinen und ähnliche Investitionen in Lärmschutzmaßnahmen fördert die Berufsgenossenschaft mit Prämien. Rechnungen für Investitionen können bis zu 365 Tage nach der Anschaffung bei der Berufsgenossenschaft eingereicht werden.

Hagebauprofi-Logo in Rot und Grün mit stilisiertem Sechseck.

hagebau Redaktion

Der hagebau Fachhandel ist unter dem Dach der hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe mbH & Co. KG führende Kooperation im Baustoff-, Holz- und Fliesenhandel. Die zwölf Spezialisierungssysteme und das E-Commerce Team veröffentlichen die redaktionellen Inhalte.

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